Michael Erle
09.07.2026

Auf ein Tässchen arabischen Mokka

Von Hundseck auf dem Westweg über Hornigsrinde nach Ruhestein

In den BNN erschienen am: 09.07.2026

Die heutige Wanderstrecke hoch über der Schwarzwaldhochstraße zählt zu den schönsten und abwechslungsreichsten Teilstrecken des Westweges; Die anspruchsvolle Tour führt über die eindrucksvollen Hochmoore des Hochkopfes und der Hornisgrinde zum Naturparkzentrum Ruhestein – ein Besuch der interaktiven Ausstellung in dem 2020 fertig gestellten Zentrum könnte den krönenden Abschluss der Wanderung bilden, bevor man sich dem Bus zur Heimfahrt anvertraut. Etwa 2 km vor dem Ziel kommen wir beim Wildseeblick am Eutinggrab vorbei. Julius Euting lebte von 1839 bis 1913, er war Bibliothekar und einer der bedeutendsten Orientforscher seiner Zeit. Hauptzweck seiner Forschungsreisen war die Erforschung und Aufzeichnung vorislamischer Inschriften, besonderen Wert legte er auf die Wiedergabe der verschiedenen semitischen Schriftarten. Aufgrund seiner umfassenden Sprachkenntnisse trug er auch den Beinamen „Sechzehnsprachenmännle“. Daneben war er ein großer Förderer des Schwarzwaldvereins und des Vogesenclubs und wurde als „Ruhesteinvater“ verehrt. Schon zu Lebzeiten ließ er sich beim „Wildseeblick“ mit besonderer königlichen Erlaubnis seine Grabstätte errichten und verfügte in seinem Testament, dass alljährlich an seinem Geburtstag, dem 11.Juli, an alle vorbeikommenden Wanderer eine Tasse arabischen Mokka nach seinem eigenem Rezept ausgeschenkt werden soll. Die Julius- Euting- Gesellschaft sowie der Heimat- und Museumsverein Freudenstadt haben die alte Tradition wieder aufleben lassen, so bietet sich am kommenden Samstag die Gelegenheit, beim Eutinggrab mit einem Tässchen arabischen Mokka des großen Gelehrten zu gedenken. Statt Hundseck kann man auch Unterstmatt oder die Hornisgrinde als Startpunkt wählen und sich so die ersten 4 bzw. 8 km ersparen.

 

 

Ab Hundseck folgen wir der Westweg- Markierung rote Raute ("Unterstmatt 4 km"), sie wird uns bis auf eine kurze Unterbrechung bis zum Ziel den Weg weisen. Wir queren den Skihang, wandern auf einem Fußweg und später aussichtsreichem Schotterweg bergan, biegen links ab und gelangen auf steinigem Weg durch eine hochinteressante ehemalige Hochmoorlandschaft zum Gipfel des 1038 m hohen Hochkopfs. Eine herrliche Rundumsicht belohnt die kleine Anstiegsmühe. Nun geht's über Steinplatten hinab nach Unterstmatt (Einkehrmöglichkeit, Bushaltestelle) und weiter der roten Raute nach („Hornisgrinde 4 km“) auf schönen, teilweise steinigen und wurzeligen Wegen durch schönen Hochwald am Wanderheim Ochsenstall (Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit) vorbei noch eine Zeitlang bergan, dann auf aussichtsreichem geplätteltem Weg am SWR- Sendeturm und einem großen Windrad vorbei zum Wegweiser Bismarckturm auf dem Gipfel der Hornisgrinde, mit 1166 m der höchste Berg des Nordschwarzwaldes. Hier v;erlassen wir vorübergehend die rote Raute, biegen links ab und folgen der gelben Raute auf einem Bohlenweg durch ein eindrucksvolles Hochmoor am Biberkesselblick vorbei zum Dreifürstenstein, mit 1154 m dem höchsten Punkt Württembergs. Wenn wir abkürzen wollen, laufen wir links zur Bushaltestelle Hornisgrindeturm.

 

Im anderen Falle folgen wir der gelben Raute auf steinigem und teilweise steilem Weg vorsichtig hinab zum Seibelseckle (Bushaltestelle). Weiter geht’s, immer der roten Raute und den Wegweisern „Ruhestein“ nach ein kurzes Stück auf Forstweg, dann einige Meter steil am Skihangrand entlang und schließlich auf zwar steinigen und manchmal moorastigem, aber landschaftlich einmalig schönem und aussichtsreichem Höhenweg um den Altsteigerkopf herum, zum Schluss ein paar Meter auf breitem Schotterweg zur herrlich gelegenen Darmstädter Hütte (Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit). Weiter geht’s auf dem Westweg („Ruhestein 2 km“ – Achtung: es sind noch 3 km!) auf breitem Weg durch ein Hochmoor, dann links ab und auf holprigem Waldpfad zum Eutinggrab beim Wildseeblick. Nun wandern wir auf breitem, viel begangenem Weg auf dem Höhenrücken des Seekopfs und in mehreren Kehren hinab zur Bushaltestelle Ruhestein.

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